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Erste Geschichte

Wildgänse

Ich bin jetzt seit drei Tagen hier und war gestern das erste Mal joggen. Frisch geduscht am Tag danach und immer noch erfüllt vom dem wohl besten Lauf meines Lebens möchte ich euch in einer kleinen Geschichte erzählen, was mir noch jetzt die Gänsehaut über die Arme laufen lässt.

"Es ist der 23.9.06, 18.53 Uhr, Ortszeit. Guildford. Ein kurzer Blick auf eine winzige Karte, das nächstgelegene Stück Grün ausgewählt und los geht's. Acht Minuten später habe ich den Hügel erreicht, dessen Hecken und Wiesen den grünen Fleck auf der Karte ausmachen. Der Drang nach Bewegungs-ausgleich treibt mich mit 160er Puls den Anstieg hoch.

Auf der Kuppe angekommen eröffnet sich mir ein umwerfendes Panorama. In Laufrichtung ein rot-rosa gefärbter Himmel mit einer untergehenden Sonne, die das Firmament in ein Ölbild der Romantik verwandelt. Hier und dort vereinzelt dicke Kumulus-Wolken, sich wie Berge dem letzten, tiefen Blau entgegenstreckend. Rechts von mir mein neues Zuhause - Guildford - eine niedliche kleine, typisch englische Stadt, die mit ihren Lichtern nach und nach den Abend verabschiedet und die Nacht begrüßt. Gen Horizont erstrecken sich weitere Vororte bis sie sich zuletzt im Leuchten Londons zusammenfinden. Links von mir Bäume und dichtes Buschwerk, die den Blick nach Süden versperren. Das Rauschen der Autos auf der nahegelegenen Zugangsstraße kann weder mir noch den Hunde-Ausführern die Stimmung vermiesen. Der Anblick ist erhebend und befreiend zugleich. Eine fremde Stadt und ungewohnte Situation, die mir noch vor nicht ganz 36 Stunden mein erstes Heimweh seit über 20 Jahren bescherten, geben mir in diesem Moment das Gefühl willkommen zu sein.

Als ich am Westende der Felder angekommen bin, bin ich mir sicher, dass alles eine Bedeutung hat. Für mich. Ich drehe um, suche nach einer Möglichkeit auf die andere Seite der Büsche zu kommen. Den gleichen Weg wieder zurück zu laufen, fühlt sich einfach nicht richtig an. Es muss einfach noch mehr zu sehen geben. Mehr zu laufen. Dann, nach 400 Metern völlig unerwartet ein Durchgang. Dunkles Dickicht. In der Mitte des Tunnelartigen Pfades eine Frau mit Hund, die den Ausblick genießt.

Ich passiere das Dickicht, laufe an der Frau vorbei auf eine ruhige Hügellandschaft zu. In dem Moment passiert es. 200 Wildgänse steigen 80 Meter unter mir vom Fuß des Hügels gemeinsam empor. Atemberaubend, ohrenbetäubend und belebend. Ich kann meinen Blick nicht lösen, falle fast, laufe halb rückwärts. Ein schnellerer Läufer von Westen überholt mich. "This is a sight, isn't it?!" haucht er mir zu. "Oh yes it is!" antworte ich, völlig überwältigt. "Never seen flying geese from this perspective!" Füge ich hinzu. Der Schwarm beginnt sich zu formen. Schnatternd verschwinden sie über den Hügelkamm, den ich soeben hinter mir gelassen habe. Eine heimische Wärme macht sich in meinem Herzen breit. Die Tränen stehen mir in den Augen. Kurz bevor ich die Hügelseite wieder verlassen muss, folgen die letzten Nachzügler. „Herzlich Willkommen! Du bist auf dem richtigen Weg. Auf deinem Weg.“ schnattern sie mir zu und weisen mir mit ihrem Flug die Richtung. Die Tränen laufen. Meine Füße tragen mich wie von allein ohne Umwege auf unbekannten Wegen zurück nach Hause.“

23.9.06 21:37


Freunde

Dankeschön!

Das beste was mir hier passieren konnte, war mit meinen Freunden hier her zu fahren. Danke Miyuki, danke Heiki, danke Till! Danke Ines, dass du auch hier bist! Ohne euch wäre mir der Start wesentlich schwerer gefallen und ich hätte wahrscheinlich nicht annähernd so viel gelacht, gesehen und erlebt. Wie gesagt, wenn ihr Lust habt ... ihr seid jederzeit herzlich willkommen!

24.9.06 14:14


Wo und wie ich wohne

Mein Haus

Als wir am Donnerstag in der Nacht angekommen sind, war der erste Eindruck erstmal nicht der beste. OK, das Haus liegt 2 Fußminuten vom Guildford Bahnhof entfernt. Aber es ist von innen noch herunter gekommener als von außen. Hinzu kam noch, dass Elliot und Oli nach ihrer letzten Party alles andere als aufgeräumt hatten. Man könnte sagen, ich bin in eine typische versiffte Studi-WG gezogen.

Die Front des Hauses und meine eigene Eingangstür sind eigentlich ganz niedlich. Auch der Blick die Straße hinunter ist nett. Außer mir und meinen Gästen betreten alle anderen das Haus durch die Hintertür. Durch einen extrem schmalen Gang zwischen den Häusern gelangt man in den Garten. Von der Rückseite des Hauses schaut man auf das Badezimmerfenster und die eigentliche Eingangstür.

Das Badezimmer ist eigentlich das schlimmste am ganzen Haus. Hier und da fehlen Fliesen, die Decke schimmelt vor sich hin, das Waschbecken und die Badewanne sind schon gar nicht mehr sauber zu bekommen.


Der Rest ist eigentlich nicht weiter schlimm. Ein kaputtes Geländer und ein paar andere kleine Mängel. Ich hab ja keine zwei linken Hände und weiß wie man Sachen repariert oder renoviert. Sobald ich wieder Geld habe, werde ich damit anfangen. Olis Zimmer und Elliots Zimmer sind beide in Pink gestrichen und Shawns Zimmer liegt zwei Etagen höher unter dem Dach. Insofern habe ich eigentlich die besten Karten gezogen.


Zwei der drei Mitbewohner hab ich schon kennengelernt. Oli und Elliot. Beide sind echt nett. Oli studiert Umwelttechnik und ist ein etwas ruhiger und schüchterner Kerl. Elliot studiert Wirtschaft und ist ein ziemlich aufgedrehter Typ, mit dem man gut trinken und diskutieren kann. Beide sind ein bisschen faul, aber das war ja kaum anders zu erwarten :-)

Mein Zimmer sah anfangs noch ziemlich chaotisch aus und ich musste etwas umstellen. Zum Glück hat Till mir dabei geholfen. Der Kamin ist leider nur zierde, weil er zugemauert ist. Der alte Kleiderschrank fasst zwar nicht alle Klamotten, aber passt dafür farblich ganz gut. Meine Computer hab ich beide noch im Zimmer stehen. Perspektivisch wird aber wohl der PC als File-Server ins Wohnzimmer kommen. Den Ausblick vom Schreibtisch aus belasse ich mal ohne Kommentar ...

24.9.06 18:58


Ausflugsidee: Windsor Castle

Missglückt

Es war Freitag Morgen, der 22.9.06. Wir hatten uns vorgenommen auszuschlafen und dann das Windsor Castle zu besichtigen. Wir, das heißt Miyuki, Heiki und ich. Das Ausschlafen hat auch ganz gut geklappt. Viel zu gut. Gemütlich und ausgiebig Frühstücken, Bus- und Bahnverbindung heraussuchen und ab gings. Es regnete, fisselte besser gesagt. Unterwegs kurz noch überlegt, ob und wo wir uns einen Regenschirm holen. Am nächsten Stopp, schließlich hatten wir alle drei je eine Regenjacke von mir an! Also weiter mit der Bummelbahn.

Inzwischen war der Morgen zum Mittag geworden, verdammte Bummelbahn ! Und es hatte sich herausgestellt, dass wir aus dem Internet eine ziemlich falsche Auskunft bekommen hatten. Wir mussten 20 Minuten auf unseren Bus warten. Also entschieden wir schnell noch in das kleine Städchen reinzugehen, um uns einen Schirm, Briefmarken und was zu trinken zu holen. Kein Thema. War alles um die Ecke und schnell erledigt. Jetzt wurd’s aber knapp. In 3 Minuten sollte der Bus abfahren. Leider war die Auskunft eines Ortsansässigen nicht ansatzweise korrekt. Die „nähere“ Bushaltestelle war nicht einmal eine der Linie, nach der wir gefragt haben. Das Ergebnis: Wir hatten den letzten Bus verpasst, der uns noch rechtzeitig vor Einlass-Schluss zum Castle gebracht hätte. That sucked!

28.9.06 17:07


Neues Ziel: London

Umgeplant

Es war immer noch der gleiche Freitag und wir machten das Beste aus der Situation: London ist immer ein lohnendes Ziel. Außerdem war es von hier aus ohnehin nicht mehr weit. Zwei Stationen und wir setzten endlich Fuß in eine der schönsten und größten Metropolen Europas. Von Waterloo Station aus machten wir uns auf den Weg zur Themse . Der Regen hatte längst aufgehört und die Wolken begannen sich bereits an einigen Stellen zu lichten.

Unser Ziel: die Tate Modern Gallery . Große Namen wie Wassily Kandinsky und Salvador Dali lockten in die umfunktionierte Fabrik. Ich weiß nicht mehr genau was wir alles gesehen haben, aber es war eine Menge. Leider eine Menge moderner Kunst die uns mit einigen Ausnahmen verhältnismäßig wenig beeindruckte. Außerdem war das Fotografieren nicht erlaubt :-).

Als wir aus der Tate Modern wieder herauskamen, war blendendes Wetter . Allerdings hatten wir Hunger. Also gings ab über die nächste Brücke in Richtung Downtown. Auf dem Weg noch einen Blick auf die Saint Paul’s Cathedral werfen, die wie immer gerade renoviert wurde und dann schnell was günstiges zu fressen finden. Allerdings ist das nicht ganz so einfach in London. Je nachdem in welcher Ecke man sich grad befindet, kostet eine Portion Fish and Chips auch gerne mal ₤7,50. Bei dem schönen Wetter war uns aber auch der Weg nach London Soho nicht zu weit. Außerdem hat das Zentrum von London nur wenige schäbige Ecken , die man echt suchen muss, um sie zu finden.

Nachdem wir unterwegs in einem winzigen Fastfood-Laden eine paar lecker verpackte Kohlendydrate zu uns genommen hatten, schlenderten wir weiter. London ist nicht nur wegen seiner vielen alten Gebäude und der ganzen Stretch-Limos und High-Society Leute schön anzusehen. Es besitzt einfach einen ganz besonderen Flair. Diesen Flair genossen wir noch eine Weile während der Himmel dunkel und die Stadt lebendig wurde. Wir setzten uns in einen Pub, quatschten mit Londonern aus Australien, tranken ein Pint Bier und guckten uns die Leute an. Kein Vergleich mit deutschen Großstädten und dabei bin ich mir sicher, dass wir nicht mal die freakigste Ecke Londons erwischt hatten.

Heiki fragte mich irgendwann auf dem Weg: „Würdes du bei gleich gutem Job lieber in Essen oder einer anderen deutschen Großstadt oder in einer ausländischen Großstadt wie London wohnen?“ Die Antwort fiel mir nicht leicht. „Keine Ahnung,“ sagte ich, „ich glaube wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, würde ich mich für Deutschland entscheiden. Aber das kann sich durchaus noch ändern!“ „Das wird es, glaub mir!“ kommentierte er mit einem wissenden Lächeln.

Auf dem Rückweg hielten wir kurz am Big Ben , schossen ein paar nette Touri-Fotos , entschieden uns nicht für ₤16,00 pro Person auf das London Eye zu gehen und nahmen diesmal den schnellen Zug zurück nach Guildford. Ich kann nicht sagen, dass ich nicht gerne ins Windsor Castle gefahren wäre. Aber ich weiß 100%ig, dass sich der Tag in London gelohnt hat.

28.9.06 21:05





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