Startseite
    Schule
    Wohnen
    Freizeit
    Privat
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

http://myblog.de/assistant-teaching

Gratis bloggen bei
myblog.de





„Do you believe in god?“ „No!“

„So, what do you believe in?”

werde ich hier gelegentlich gefragt.

“In love, life and nature!” antworte ich stolz und ohne zu zögern. In der Regel schließt sich eine leidenschaftliche Diskussion über die katholische Kirche, den Papst, Verhütung und über das Gute und Böse an Religionen an. Das woran ich glaube, findet sich darin nicht wieder, höchstens das, woran ich nicht glaube.

Es ist schön einen Standpunkt vertreten zu können, zu argumentieren und sich und seine Welt zu hinterfragen. Aber es macht nicht glücklich, an etwas nicht zu glauben und zu wissen warum. Im Gegenteil, wenn andere von dem reden, was sie erfüllt und glücklich macht – sei es ihre Religion oder die Liebe ihres Partners oder Partnerin – spüre ich in mir eine Sehnsucht aufkommen. Es ist die Sehnsucht nach Glück.

Wenn mich jemand fragen würde „Macht dich denn das, woran du glaubst nicht glücklich?“, würde ich antworten: „Doch, aber nur, wenn alles da ist!“ „Wie meinst du das?“ Vielleicht hilft diese Geschichte es zu verstehen …

… Meine Füße tragen mich im Takt einer inneren Musik über den schmalen Weg zwischen Bahngleisen und Sumpf. Mein langer schwarzer Mantel lässt mich mit der Dunkelheit meiner Umgebung verschmilzen. Sein Stoff und die weichen Sohlen meiner Schuhe verschlucken nahezu jedes Geräusch. Der Mond und ein paar Laternen an der entfernten Straße beleuchten sanft das wilde Feld und den Sumpf zu meiner Linken. Bläulich schimmernder Nebel liegt auf dem Grass, den Straßen und dem düsteren Weg vor mir.

Ich laufe schnell. Mein Herz schlägt langsam, ich habe Zeit, bin auf dem Heimweg. Ich bin gerne draußen, obwohl es kalt ist. Und doch treibt mich irgendetwas vorwärts. Vielleicht ist es die überschüssige Energie, die ich in mir spüre. Nichts außer mir selbst scheint sich um diese Uhrzeit hier mehr zu bewegen. Der Weg vor mir ist stockfinster. Aber ich kenne ihn inzwischen gut genug, um meine Füße die Arbeit allein tun zu lassen. Mein Geist hat Zeit sich um andere Gedanken zu kümmern.

„Ein wundervolles Gefühl die kalte neblige Luft einzuatmen! Ich freue mich schon auf’s Joggen morgen, auf den Wald und die Anstrengung!“ geht es mir durch den Kopf und ein abwesendes Lächeln huscht über meine Lippen. Es wird die nächste Gelegenheit sein, mal wieder die Seele wandern zu lassen. Der Wald, durch den ich hier für gewöhnlich Laufe ist nicht vergleichbar mit dem was ich von Zuhause kenne: er ist ursprünglich, dicht und vielfältig.

Beim Joggen kommen mir oft hervorragende Ideen für den Unterricht. „Vielleicht erfinde ich ja mal wieder ein kleines Sprachspiel“ überlege ich und ducke mich unter dem fiesen Ast hinweg, der an dieser Stelle bestimmt schon so einige Nachtgänger verärgert hat. Meine Laune steigt und ich fange an in Gedanken eine amüsante Unterrichtsstunde für meine beste Nachmittagsgruppe vorzubereiten. Das Lächeln bleibt diesmal bestehen. Es tut einfach gut zu wissen, dass man etwas sinnvolles zu tun hat und dass es Menschen gibt, die mich spüren lassen, dass ich gut in dem bin was ich tue.

Das dunkle Stück des Heimweges liegt so gut wie hinter mir. Die erste Straßenlaterne markiert das Ende des Feldes und den Anfang der Siedlung „Fetcham“. Ein großes Blatt fällt mir direkt vor die Füße. … tap, tap … ich halte an, bücke mich, um es aufzuheben. „Es ist grün und sieht absolut gesund und gut aus! Warum fällt so ein Blatt einfach vom Baum? OK, es ist Herbst, aber es wehte kein Lüftchen und es hängen doch viel verwelktere Blätter dort oben! Wie ungerecht!“ Ich stehe wie angewurzelt da und schaue verstört auf das schöne Blatt. Mein Geist schafft eine Verbindung zwischen diesem Stück Laub und meinem eigenen Leben: Vor meinem inneren Auge sehe ich einem wunderschönen Mädchen ins Gesicht. Sie sieht mich nicht an, schaut zu einer Freundin, die ihr irgendetwas erzählt. Sie lacht und ich weiß in diesem Moment, dass ich sie lieben könnte, wenn sie mich doch nur ließe. Woher ich das weiß, weiß ich nicht. Ich weiß es einfach. Eigentlich kenne ich sie kaum, habe nur bei einem Treffen kurze Zeit neben ihr gesessen und viel Spaß mit ihr gehabt. Seitdem versuche ich mich mit ihr zu treffen. Sie hat immer etwas anderes vor.

Eine heiße Träne rollt mir über die Wange. Verschwommen nehme ich wieder das Blatt wahr, das ich immer noch in meiner rechten Hand halte. Das Lächeln ist längst verschwunden, das Blatt ist zerknüllt. Mir wird wieder klar, was mir schon seit Jahren fehlt: „Ich habe eine tolle Umgebung, einen guten Job aber niemanden, der meine Liebe möchte“. Es tut weh, weil ich doch grad davon so viel hab. Wozu also der Stolz? Ich wische mir die Träne aus dem Gesicht und gehe langsam das letzte Stück nach Hause. Das Blatt, oder das, was davon übrig ist, lasse ich kurz vor dem Grundstück fallen. Mein Herz rast. Ich bin müde, aber ich weiß, dass es heute nicht leicht wird zu schlafen.

20.11.06 01:13
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung